Willkommen auf FairQuer, dem Blog des Deutschen Kinderschutzbundes in NRW.
Wir verstehen uns als Lobby für Kinder in Nordrhein-Westfalen. Hier kommentieren, analysieren und diskutieren wir aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz.

NRW-Landtagsabgeordnete diskutierten über Kinderarmut

Stopp von „Kein Kind zurücklassen“ ist keine Lösung

(c) Günter Havlena/PIXELIO.de

(c) Günter Havlena/PIXELIO.de

Die NRW-Landtagsabgeordneten haben in der vergangenen Woche in einer aktuellen Stunde über das Thema „Kinderarmut in Nordrhein-Westfalen“ diskutiert. Grundlage waren eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung und sowie der Armutsbericht des Paritätischen, der auch in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund erstellt wurde.
Gerade die Zahlen für Nordrhein-Westfalen finde ich besorgniserregend. Dennoch halte ich die im Landtag geäußerte Schlussfolgerung für unsinnig, das Programm „Kein Kind zurücklassen“ zu stoppen. Das Modellvorhaben, das auch vom Deutschen Kinderschutzbund unterstützt wird, ist sicher nicht geeignet, die Kinderarmut in NRW zu beenden. Dafür ist es auch nicht gedacht. Aber es hilft, die Folgen der Kinderarmut zu bekämpfen.

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Mit Schwung durch den Tag: Gestern trafen sich 43 Teilnehmende zum GELKI!-Fachtag

„Gesund essen & mehr bewegen“

GELKI!

(c) Eda Kanber/DKSB

Der Titel und somit das Motto unserer diesjährigen GELKI!-Fachtagung wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung tatkräftig umgesetzt. Damit der Montagmorgen schon energievoll beginnen konnte, wurden die 43 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer kleinen Bewegungs- und Atemübung „wachgerüttelt“ und konnten dann voller Konzentration in das
Programm einsteigen. (Die Übung dazu, den „Körpershake“, finden Sie hier.)

Neben einem ökotrophologischen Vortrag über die Fragestellung, wie Kinder das „richtige“ Essen erlernen können, wurden drei Workshops angeboten, die verschiedene praktische Impulse vermittelten und Platz für fachlichen Austausch gewährten.

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Das Bundesverfassungsgericht kippt das Betreuungsgeld

Das Ende ist in Sicht – zum Glück

(c) Andreas Hermsdorf/pixelio.de

(c) Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Das Betreuungsgeld ist vom Bundesverfassungsgericht gestoppt worden. Eine selten schöne Nachricht in diesen Tagen. In Zukunft wird es also die Zahlungen an Eltern nicht mehr geben, die ihr Kind zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat zu Hause betreuen. Kritiker haben diese Art finanzieller Unterstützung immer wieder als „Herdprämie“ bezeichnet. Auch wenn die Begründung des Gerichts eher formaler und nicht inhaltlicher Natur ist: Die Konsequenzen sind aus meiner Sicht sehr positiv.

Nach einer Studie aus dem vergangenen Jahr hielt das Betreuungsgeld gerade Eltern in sozial schwachen Familien und aus Familien mit Migrationshintergrund davon ab, ihre Kinder in eine Kindertageseinrichtung zu geben. Dabei bekämen gerade sie dort die Förderung, die zu Hause oft nicht möglich ist. Das Betreuungsgeld hält den Fakten zufolge genau die Jungen und Mädchen von frühkindlicher Bildung und Sprachförderung fern, die davon besonders profitieren könnten. Dieser Fehlentwicklung schiebt das Urteil jetzt einen Riegel vor.

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Jugendliche laden Videos aus dem Kinderzimmer ins Netz hoch

Die Videoplattform „Younow“alarmiert Kinderschützer

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(c) Rainer Sturm/pixelio.de

„Express yourself!“ Mit diesem markigen Spruch wirbt „Younow“ auf seiner Website. Über das Portal können Jugendliche offiziell ab 13 Jahren ihre privaten Handyaufnahmen für alle sichtbar ins Netz stellen. Teenager finden das super. Sie lieben es, sich und ihre Vorlieben und Talente im Internet zu präsentieren. Für Kinderschützer dagegen ist das Portal ein Quell der Gefahren für Kinder und Jugendliche – zu Recht, wie ich finde. Natürlich sollen sich Teenies austauschen und darstellen können – aber nicht auf diese ungeschützte Weise. Niemand kann kontrollieren, wer welche Informationen hochlädt und auf diese Weise für alle Welt verfügbar macht. Zwar soll ein Moderatorenteam dafür sogen, dass User nicht gegen die Regeln verstoßen. Dennoch werden Kinder und Jugendliche auf „Younow“ nicht wirkungsvoll gegen Übergriffe und Gefährdungen geschützt, so die Einschätzung des Familienministeriums. Für Kinder sei der Dienst nicht geeignet.

Ich sehe vor allem die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. Sie haben die klare Aufgabe, sich über das, was ihre Kinder im Netz posten, auf dem Laufenden zu halten. Kinder und Jugendliche können nur durch Aufklärung dazu gebracht werden, sorgsam mit ihren Daten und persönlichen Aufnahmen im Internet umzugehen. Eltern sollten sich immer mal wieder mit an den Rechner oder ans Handy setzen – auch wenn es für Kinder und Jugendliche hochgradig uncool ist. Klare Grenzen sind an dieser Stelle Gold wert.

 

 

Der Weihnachtsspot eines großen Versandhauses ist ärgerlich

Kaufe, dann bist du als Vater perfekt …

(c) Rainer Golitz/pixelio.de

So lautet die Botschaft eines neuen Weihnachtsspots eines Versandhauses.

In dem Werbespot sieht man einen Vater, der mit seinem Sohn einen Großsegler ansieht. Der Vater entschließt sich, dieses Schiff in Holz nachzubauen. Er studiert Baupläne, klebt und werkelt. Leider ist das Ergebnis nicht perfekt oder schön. Der Vater ist frustriert.

Dann die Überraschung: Man sieht, wie der Junge unterm Weihnachtsbaum das Geschenk auspackt – es ist eine Spielekonsole. Der Vater lacht, das Kind freut sich. Dann Auszoomen, und das Segelschiff des Vaters liegt als Wrack draußen im Schnee.

Welche Wirkung hat der Weihnachtsspot auf Väter und ihre Kinder?

Ich finde, er demotiviert Väter und Kinder und setzt hohe Maßstäbe der Perfektion. Aus psychologischer Sicht zerstört er die Eigeninitiative von Vätern, aus pädagogischer Perspektive torpediert er die Beziehung zwischen Vätern und Kindern.

Dabei ist aus meiner Sicht doch etwas ganz anderes wichtig: die Erfahrung, dass man nicht perfekt sein muss, um gemocht zu werden.

Also, liebe Väter: Werdet aktiv, verschenkt gute gemeinsame Erlebnisse, die die Beziehung zu euren Kindern stärken, verschenkt eure Zeit an die Kinder, unternehmt etwas mit ihnen. Tipps finden sich zum Beispiel hier: www.vater-kind-aktionen.de

 

Eindrücke vom gestrigen Werkstattgespräch zur Väterarbeit in der Weststadthalle in Essen

Väter sind wichtiger als sie denken

(c) D. Dörfel/pixelio.de

(c) D. Dörfel/pixelio.de

Doch viele Väter wissen nicht, welche Bedeutung sie für ihre Kinder haben – gerade dann, wenn sie selbständiger werden.

Was sagt die Forschung dazu?
Gestern brachten uns in einem Werkstattgespräch zur Väterarbeit in der Weststadthalle in Essen die Vorträge von Dr. Andreas Eichhorn vom Deutschen Jugendinstitut und Prof. Peter Zimmermann von der Universität Wuppertal auf den neuesten Stand der Väterforschung.

Neuere Erkenntnisse belegen: Der Einsatz von Vätern bei Versorgung, Spiel und Erziehung von kleinen Kindern hat positive Folgen. Die meisten davon zeigen sich aber erst zeitverzögert. Weiterlesen …

 

In Essen wurde Gesundheitsmaterial für Grundschulen vorgestellt

Wenn Kindern Giraffenhälse wachsen

Prof. Dr. Dietrich GrönemeyerMit großen Augen und viel Getöse stürmten die Erst- und Zweitklässler der Karlschule in Essen-Altenessen in die Turnhalle, als sie den riesigen roten Elefanten erblickten.

Er war eines der Highlights, das die Kinder an diesem Tag erleben sollten. Unter dem Motto „Heute gehen wir in den Zoo“ nahmen sie an einer Gesundheitsstunde teil, in der sie drei verschiedene Stationen aus Bewegung und Entspannung durchlaufen konnten. Begleitet wurden die 25 Mädchen und Jungen dabei von Prof. Dieterich Grönemeyer, ihrer Lehrer/in und und mir. Während das Affenhaus zum Turnen einlud, konnten die Kinder im Elefantenhaus durch Ohrenmassage ihren Nacken entspannen und im Aussichtpunkt durch An- und Entspannung ihrer Muskulatur Grimassen schneiden und Giraffenhälse wachsen lassen. Weiterlesen …

 

Das Internet liefert bei der Suche nach der Terrorgruppe Islamischer Staat unfassbar grausame Bilder

Nicht auszuhalten: Enthauptungen im Internet

(c) CFalk/pixelio.de

(c) CFalk/pixelio.de

Wer im Internet nach Bildern der Terrorgruppe Islamischer Staat sucht, bekommt blutige Grausamkeiten zu sehen: Männer, denen die Köpfe abgeschlagen wurden. Schreiende Kleinkinder, auf die mehrere Gewehre gerichtet sind. Menschen, die massenhaft erschossen wurden. Solche realen Gewaltdarstellungen gehören zu den ersten Ergebnissen der großen Suchmaschinen und sind in wenigen Mausklicks erreichbar – nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Und hier liegt das besondere Problem: Kinder nehmen die schreckliche Realität anders als Erwachsene auf und brennen Gesehenes in ihren Emotionen ein – still und nachhaltig oder auch laut und voller Wut.

Aus gutem Grund sind in Deutschland bestimmte Darstellungen in Filmen und Computerspielen entweder ganz verboten oder offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt. Ob diese gesetzlichen Regelungen im Einzelfall immer greifen, ist ein anderes Problem. Aber was ist, wenn die Wirklichkeit grausamer ist als jeder Horrorschocker? Unterliegen diese Bilder dann nicht ähnlichen Regeln? Ich meine: ja. Darauf macht auch Irene Johns, Vorsitzende des DKSB Landesverbandes Schleswig-Holstein, aufmerksam. Sie forderte in einem Offenen Brief Google auf, diese grausamen und menschenverachtenden Gewaltdarstellungen zu sperren. Ein sinnvoller Appell, finde ich. Weiterlesen …

 

Morgen sendet die ARD einen Fernsehfilm über die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule

Wie wirklich kann Fiktion sein?

(c) Günther Gumhold/pixelio.de

(c) Günther Gumhold/pixelio.de

Was machen Sie morgen Abend? „Och, mal sehen“, würde ich in der Regel auf eine solche Frage antworten. Heute nicht. Denn ich weiß ganz genau, was ich morgen Abend machen werde: fernsehen. In der ARD läuft ein Spielfilm über die Missbrauchsfälle an der reformapädagogischen Odenwaldschule. Er heißt „Die Auserwählten“. Der Regisseur Christoph Röhl war selbst Tutor an der Odenwaldschule und hatte bereits einen Dokumentarfilm über die Missbrauchsfällegedreht. Er ist die Basis für „Die Auserwählten“. Der Spielfilm nähert sich dem Thema fiktional. Dennoch sind die Themen äußerst real. Bereits in der Vorschau ist die Beklemmung spürbar – und die unfassbare Wahrheit, dass vielen Missbrauchsopfern jahrelang niemand glaubte.

Was halten Sie von dem Film und der Idee, sexuellen Missbrauch in Form eines Spielfilms aufzuarbeiten? Wir sind neugierig auf Ihre Kommentare.

Einen Vorbericht zu „Die Auserwählten“ finden Sie hier.

Sendetermin: 1. Oktober, 20.15 Uhr, ARD

 

Armut von Kindern und Jugendlichen immer ist in NRW noch ein großes Thema

Das Handlungskonzept der Regierung ist nur Stückwerk

(c) Lupo/pixelio.de

(c) Lupo/pixelio.de

Kinderarmut in NRW ist kein neues Thema. Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens verdient.

Schon 2008 forderte das Bündnis zur Bekämpfung der Kinderarmut bestehend aus Deutscher Kinderschutzbund, AWO, DGB, GEW und dem Paritätischen von der Landesregierung konkrete Maßnahmen zur Armutsbekämpfung.  Sieht man sich die Zahlen von 2012 an, wird deutlich, dass 643.000 Kinder und Jugendliche in NRW unter 18 Jahren einkommensarm waren. Eine erschreckend hohe Zahl.

Nun hat die Landesregierung NRW im Frühjahr 2014 ein Handlungskonzept gegen Armut und soziale Ausgrenzung gestartet, das bis 2020 laufen soll. Die Regierungsparteien möchten vorbeugende Politik vor Ort betreiben — in Zusammenarbeit mit Kommunen und anderen Organisationen, mit Initiativen, Bürgerinnen und Bürgern in den Sozialräumen bzw. Quartieren.

Doch das Handlungskonzept der Regierung ist Stückwerk. Es werden entweder nur Absichtserklärungen und keine konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut formuliert oder auf Modellprojekte, wie das in sieben Kommunen für Jugendliche laufende Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“, verwiesen.

Besonders deutlich wird, dass die Politik kein ausgereiftes Gesamtkonzept hat, um wirksam die strukturellen Ursachen von Kinderarmut zu bekämpfen. Es wird eher versucht mit Hilfe von kostenneutralen Gesprächsrunden und vollmundigen Absichtserklärungen Kosmetik an den sozialen Auswirkungen von Armut zu betreiben.

Strukturelle Ursachen von Armut sind:  Zuwachs an prekären Arbeitsverhältnissen, hohe Mietsteigerungsraten, ungebremste Energiekosten, ungleiche Einkommenssituation von Männern und Frauen, keine bedarfsdeckenden Regelsätze oder die materielle Benachteiligung von Alleinerziehenden. Nach konkreten Aussagen und Maßnahmen, wie die Landespolitik mit diesen strukturellen Ursachen von Kinderarmut umzugehen gedenkt, sucht man vergeblich.

Das Statement der Landesregierung im Handlungskonzept: „Für neue oder bereits bestehende Förderprogramme kann kein zusätzliches Geld aus dem Landeshaushalt eingesetzt werden. … Auch den Kommunen sollen durch die Umsetzung des Handlungskonzeptes für ein Leben ohne Armut und soziale Ausgrenzung keine Kosten entstehen, ihnen sollen keine neuen Aufgaben übertragen werden.“, entlarvt die eigentliche Zielsetzung der Regierung.

Das Handlungskonzept steht für den Sparwillen der Regierungskoalition aber nicht für die Bekämpfung der Kinderarmut.