Willkommen auf FairQuer, dem Blog des Deutschen Kinderschutzbundes in NRW.
Wir verstehen uns als Lobby für Kinder in Nordrhein-Westfalen. Hier kommentieren, analysieren und diskutieren wir aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz.

Am Samstag lief die erste Sendung von „DSDS Kids“ im Fernsehen

Süß und hoffnungsvoll – Kinder als Quoten-Zugpferde

©Birgit H/PIXELIO

„Bei `DSDS Kids` sind alle Kinder Gewinner“, verkündet RTL vollmundig auf seiner Internetseite. Ob das Julius, Pina, Erisa und all die anderen, die in der Castingshow ausgeschieden sind, auch so sehen? Am Samstag standen sie in der ersten Kinderausgabe von „Deutschland sucht den Superstar“ auf der ganz großen Showbühne – und heute ist wieder Schule angesagt. Und mit Sicherheit bleibt das Gefühl der Niederlage – auch wenn die Kommentare der TV-Jury mit Unmengen von verbalem Zuckerguss überzogen waren. Für viele Menschen vor dem Fernseher war das öde und belanglos. Und für die Kinder auf der Bühne? RTL benutzt sie, um die miese Quote von DSDS aufzubessern – und hat dabei vorrangig sein eigenes Interesse im Sinn. Um die Kinder und ihr Gesangstalent geht es nur am Rande. Wer wie der Moderator Daniel Aßmann ein Mädchen mit „kleine Maus“ anredet, nimmt Kinder nicht erst und tut noch nicht einmal so. Und Dieter Bohlen? Der Wolf im Schafspelz, der Kandidaten-Kinder herzt – das passt eben nicht zusammen.
„DSDS Kids“ gehört nicht ins Fernsehen – auch wenn das berühmt-berüchtigte Konzept von „Deutschland sucht den Superstar“ bis zur Unkenntlichkeit weichgespült und glattgebügelt war. Nein, es gab keine gemeinen Sprüche, keine anzüglichen Kleider und anscheinend auch keine groben Verletzungen der Arbeitszeiten, die für Kinder gelten. Dennoch brauchen wir keine Sendung, in der unzählige Kinder ausgesiebt und viele dem übergroßen Ehrgeiz ihrer Eltern ausgesetzt sind. Und was ist mit den Erfolgreichen? Wie gehen die ersten Finalisten damit um, dass sie ab heute vielleicht auf der Straße erkannt werden?
RTL hofft, mit „DSDS KIDS“ ein erfolgversprechendes Format erfunden zu haben. Im Moment lässt der Erfolg allerdings noch auf sich warten. Nur 3,62 Millionen Menschen wollten die Show sehen; eine mäßige Quote. Vielleicht erledigt sich „DSDS Kids“ bald von selbst. Dafür hat RTL aber keine Telefonnummer zum Abstimmen eingeblendet. Schade. Ich würde ganz sicher dafür anrufen.
Bookmark and Share
 

Fachtag informierte über "Inklusion aus der Sicht des Kindes"

Inklusion ist nötig und machbar

„Inklusion – was ist das denn?“ Das ist eine gängige Frage, die nicht nur auf der Familienfeier oder im Sportverein kommt. Auch Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, wissen oft nicht, was sie mit dem Begriff anfangen sollen. „Hat das nicht irgendwas mit Behinderungen zu tun?“, vermuten manche. Aber was? Inklusion hat noch keinen Platz in der öffentlichen Diskussion gefunden – und das ist im Grunde ein Skandal. Denn Kinder haben ein Recht auf Inklusion – aber wie kann das umgesetzt werden, wenn viele gar nicht wissen, wovon die Rede ist? Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. setzt auf Information – und lud zu einem Fachtag nach Erkelenz ein mit dem Thema „Inklusion aus der Sicht des Kindes“.
„Vielfalt macht stark“ – das ist einer der Grundgedanken der Inklusion. Das Ziel ist, dass  Kinder – ob mit oder ohne Behinderung – ihren Alltag zusammen verbringen, etwa in der Kindertagestagesstätte, der Schule oder in der Freizeit. Gedankliche Grundlage der Inklusion ist ein verändertes Menschenbild. Behinderung wird nicht als persönliches Defizit verstanden, sondern als Ausdruck menschlicher Verschiedenheit. Jedes Kind bekommt in inklusiven Einrichtungen die Teilhabe, Hilfe und Unterstützung, die es braucht – ob in der Schule, im Kinderchor oder dem Sportverein. Jeder Junge und jedes Mädchen gilt als Gewinn, das die anderen etwas lehrt. Ein schönes Ziel. Weiterlesen …
Bookmark and Share
 

Vor „Deutschland sucht den Superstar“ sind bald nicht mal mehr Kindergartenkinder sicher

Je schlechter die Quoten, desto absurder die Ideen

„Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) rutscht immer tiefer ins Quotenabseits, und die Macher scheinen nun alles in Kauf nehmen zu wollen, um Herrn Bohlen und die RTL-Family wieder zum Lachen zu bringen. Der Sender plant jetzt eine Kinderversion der Castingshow für vier-bis 14-Jährige.
„Du, wenn ich meinem Hund eine Currywurst in den Arsch schiebe, dann macht er solche Geräusche!“ oder „Ich hab´ Freunde und wenn die auf dem Oktoberfest neben´s Bierzelt kotzen oder so ist das echt rhythmischer als das, was du hier so bringst.“ Diese und andere heftige Sprüche sind die Regel bei Herrn Bohlen, wenn es darum geht, die Castingmitglieder beim Singen zu bewerten. Dabei muss es natürlich ordentlich zur Sache gehen, Nettigkeiten sind hier völlig fehl am Platz. Weiterlesen …
Bookmark and Share
 

Scripted Reality ersetzt die Doku-Soap

Vom Regen in die Traufe

©Michael Hirschka/PIXELIO

Seit einiger Zeit steht vor allem das Nachmittagsprogramm der großen privaten Fernsehsender ganz im Zeichen der „scripted reality“. Ein Format, das vorgibt, Realität abzubilden, aber von Laien nach Drehbuch (Script) gespielt wird. Dabei haben die Darsteller meist das Drehbuch nicht gesehen, sondern agieren nach Regieanweisung. Dem Zuschauer wird – zu Beginn und am Ende der Sendung – durch eine eher unauffällige Einblendung mitgeteilt: Handelnde Personen sind frei erfunden. So könnten wir eigentlich erleichtert aufatmen: keine Bloßstellung der Protagonisten mehr, keine Gefahr, dass vor allem Kinder unter den Folgen leiden. Doch so einfach ist es leider nicht.

Abgesehen von den erwähnten Einblendungen tun die Macher alles, um Realität vorzuspiegeln. So werden Autokennzeichen geschwärzt, gelegentlich Gesichter gepixelt, grobe Schimpfwörter durch Piepton unkenntlich gemacht. Und die kommentierenden Sprecher formulieren Sätze wie: „Da durften wir mit der Kamera dabei sein“ oder auch „ Familie S. wollte dieses Gespräch ohne unsere Kamera führen.“ Weiterlesen …

Bookmark and Share
 

Ärger über eine sehr einseitige Diskussion am Sonntag bei Günther Jauch in der ARD

Viel Polemik und kaum Antworten

©Rainer Sturm/PIXELIO

„Hilfeschreie, die niemand hört – wer versagt beim Kinderschutz?“ Diese Frage diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen in der ARD. Ein wichtiges Thema zur besten Sendezeit. Daraus wurde allerdings für mich schnell der ärgerlichste Fernsehabend der letzten Zeit. Die Diskussion lief so einseitig und zum großen Teil inkompetent, dass ich nur noch mit Mühe zuschauen konnte.
Anlass der Sendung waren zwei Todesfälle von Kindern aus den vergangenen Wochen. Die elfjährige Chantal starb in Hamburg in ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis des Drogenersatzstoffes Methadon. Die zweijährige Zoe erlag in Berlin wahrscheinlich den Verletzungen einer schweren Misshandlung. Haben dabei nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugend- und Sozialämter versagt? – so die Fragestellung der Sendung.

Antworten lieferten Johannes Kahrs (ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Hamburg), Heinz Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln), Katia Saalfrank (Diplom-Pädagogin und frühere „Super-Nanny“), Marita Meissner (Sozialarbeiterin im Jugendamt Gelsenkirchen) und Peter Hahne (ZDF-Moderator, Bild am Sonntag). Diese Zusammensetzung der Gäste wurde dem sehr komplexen Thema in keiner Weise gerecht. Wieso fehlte ein Vertreter der freien Träger, die während der gesamten Sendung undifferenziert zum Sündenbock gemacht wurden? Wo waren wirkliche Vertreter/innen des Kinderschutzes? Positiv fand ich lediglich Marita Meissner, die 27jährige Sozialarbeiterin des Jugendamtes Gelsenkirchen, die kompetent und überzeugend ihre Position vertreten und die große Bandbreite des Themas Kinderschutz dargestellt hat. Ansonsten waren die Gäste eher enttäuschend – mit dem Schlusslicht Peter Hahne, dessen Polemik völlig fehl am Platze war. Weiterlesen …

Bookmark and Share
 

Erforscht – erwünscht – erledigt? Fachtagung zur aktiven Vaterschaft

Überlieferte Männerrollen im Umbruch

©CFalk/PIXELIO

“Aktive Vaterschaft erforscht – erwünscht – erledigt?” Es war eine provokante Frage, die das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS) über seine Tagung im Februar stellte. Erforscht und erwünscht sind die „neuen Väter“ in jedem Fall. Das Väterthema wurde unter einem breiten Spektrum von wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten behandelt. Auf vielfältige Weise wurden die Themen Partnerschaft, Trennungsväter und Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgezeigt und in guter Atmosphäre diskutiert. Die Tagung zeigte aber auch, dass Väter nur geringfügig von familienpolitisch orientierten Angeboten zu erreichen sind. Gerade deshalb sind fachliche Diskussions- und Vernetzungsmöglichkeiten wie diese Fachtagung von großem Wert. Vielleicht wären die „neuen Väter“ ansonsten tatsächlich bald erledigt? Weiterlesen …

Bookmark and Share
 

Heute ist „Safer Internet Day“

Gemeinsam das Internet entdecken – aber sicher!

©Berlin pics/PIXELIO

Heute ist „Safer Internet Day“ – so wie seit 2004 an jedem zweiten Dienstag im Februar. Initiiert von der Europäischen Union soll dieser Tag mit verschiedenen Aktionen oder Veranstaltungen auf das Thema „Internetsicherheit“  aufmerksam machen und die Nutzerinnen und Nutzer für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien sensibilisieren. In diesem Jahr heißt das Motto „connecting generations and educating each other“ -  „Generationen verbinden und voneinander lernen lassen“. Eine Haltung, die wir vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. voll unterstützen.
Insbesondere im Hinblick auf das Internet können die Generationen voneinander profitieren, indem sie nicht nur darüber sprechen und sich austauschen, sondern auch gemeinsam auf „virtuelle Entdeckungstour“ gehen. So haben viele Erwachsene dicke Fragezeichen im Kopf, wenn sie „twitter“, „youtube“ oder „facebook-timeline“ hören; aber auf die Idee, die jüngere Generation nach Tipps und Hilfestellungen zu fragen, trauen sich die wenigsten.

Umgekehrt kann es genauso passieren, dass Kinder und Jugendliche medialen Inhalten ausgesetzt werden, bei denen sie sich unwohl fühlen und gerne auf den Schutz durch die Erwachsenen zurückgreifen würden – auch hier fühlen sich viele allein gelassen. Weiterlesen …

Bookmark and Share
 

Hausaufgabenbetreuerin schildert die Zeugniswoche aus ihrer Sicht

Manche Kinder sind “Weltmeister im Verdrängen”

©Dieter Schütz/PIXELIO

In dieser Woche gibt es Halbjahreszeugnisse. Ich war fast 30 Jahre lang Grundschul-Lehrerin und weiß, wie wichtig dieser „große Tag“ für viele Kinder und ihre Eltern ist. Die Zeugnisse sind eine Art Bestandsaufnahme, wie gut sie in den vergangenen Monaten gelernt haben. Dass Kinder darunter leiden, wenn sie die hohen Erwartungen ihrer Eltern nicht erfüllen können, habe ich in meinem Berufsalltag oft miterlebt. Nach meinem Ausscheiden aus dem Beruf engagiere ich mich beim DKSB Ortsverband Schmallenberg in der Hausaufgabenhilfe.

Die Jungen und Mädchen, die nachmittags zu uns kommen, haben bereits viele Misserfolgs-Erfahrungen hinter sich. Sie besuchen Förderschulen, in denen es keine Notenzeugnisse gibt und man sich über jeden kleinen Fortschritt freut. Unterstützung durch die Eltern gibt es bei diesen Kindern oft nicht. Die meisten unserer Grundschüler gehören zum schwächsten Drittel ihrer Klasse und wissen das natürlich auch. Aber sie sind Weltmeister im Verdrängen! Angst vor dem Zeugnis spüren sie nicht – oder sagen es zumindest so. Sie flüchten sich in eine Traumwelt und rechnen mit guten Noten. Die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen können diesen leistungsschwachen Kindern nicht gerecht werden, weil die Klassen viel zu groß sind. Das könnte mich wütend machen, aber das lasse ich nicht zu. Ich weiß, dass meine Arbeit mit den Kindern in der Hausaufgabenbetreuung nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ ist, freue mich aber über jede kleine Hilfe, die ich geben kann. Weiterlesen …

Bookmark and Share
 

Jeans Fritz spendet 208.707 Euro an den DKSB

Schmaler Kalender, breite Wirkung

Anfang der Woche war ich mal wieder schon um kurz vor sieben morgens auf der Autobahn. Es ging rund 200 Kilometer weit nach Nordosten, nach Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke. Ein angenehmer Termin, trotz der frühen Fahrt. Denn in Hüllhorst gibt es – neben viel schöner Landschaft – eine Firma, die für den Deutschen Kinderschutzbund sehr wichtig ist: Jeans Fritz. Das Unternehmen hat unserem Lobbyverband in den vergangenen Jahren rund 1,5 Millionen Euro gespendet. Das wissen wir sehr zu schätzen! Ohne dieses Geld wäre unsere Arbeit längst nicht das, was sie heute ist.
Die Idee hinter dieser Wahnsinns-Summe ist eigentlich ganz einfach. Jeans Fritz gibt jedes Jahr einen Familien-Kalender heraus, der in den bundesweit 260 Filialen der Modekette als Dank für eine Spende an Kundinnen und Kunden verschenkt wird. Vielleicht hängt ja bei ihnen zu Hause auch einer davon? Jeans Fritz übernimmt die Herstellung des Kalenders – und der Deutsche Kinderschutzbund profitiert davon. Bei unserem Treffen Anfang der Woche überreichten mir Frank Eickmeier, geschäftsführender Gesellschafter von Jeans Fritz, und Frank Schwier, Leiter Technischer Einkauf, einen Scheck über 208.707 Euro.
In solchen Momenten bin ich immer wieder froh, dass es Unternehmen gibt, die sich sozial verantwortlich fühlen. Unternehmen, die nicht nur an ihren eigenen Gewinn denken, sondern gemeinnützigen Organisationen wie der unseren unter die Arme greifen. „Verantwortungsgemeinschaft“ nennt man so etwas ja – ein schönes Wort für eine tatsächlich gelebte Haltung, finde ich.

Bookmark and Share
 

In drei Wochen gibt es Halbjahreszeugnisse

Kinder mit schlechten Noten brauchen keinen Druck

©Alexandra H./PIXELIO

Anfang Februar (6. bis 10. Februar) bekommen die Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen ihre Halbjahreszeugnisse. Viele von ihnen haben Angst davor – genauso wie ihre Eltern, gerade wenn die Noten schlechter ausfallen als erwartet. Nach dem aktuellen LBS-Kinderbarometer Deutschland fühlt sich jedes sechste Kind in der Schule generell nicht wohl. Jedes zweite Kind leidet laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2010 unter Schulstress. Dabei macht Druck das Lernen noch schwieriger.

Welche Zensuren auf dem Halbjahreszeugnis wie aussehen, wissen die meisten Kinder schon vor dem „großen Tag“. Aber viele trauen sich nicht, ihren Eltern davon zu erzählen, wenn sie etwa in Biologie nur ein knappes „Ausreichend“ bekommen oder in Mathematik sogar ein „Mangelhaft“. Manche Jungen und Mädchen bekommen dann Kopfschmerzen, Schlafstörungen – oder ihnen tut der Magen weh. Für Ärzte und Psychologen sind diese Symptome Ausdruck von Stress und Angst vor dem Versagen. Weiterlesen …

Bookmark and Share