Archiv zum Thema "Gewalt gegen Kinder"

Ärger über eine sehr einseitige Diskussion am Sonntag bei Günther Jauch in der ARD

Viel Polemik und kaum Antworten


©Rainer Sturm/PIXELIO

„Hilfeschreie, die niemand hört – wer versagt beim Kinderschutz?“ Diese Frage diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen in der ARD. Ein wichtiges Thema zur besten Sendezeit. Daraus wurde allerdings für mich schnell der ärgerlichste Fernsehabend der letzten Zeit. Die Diskussion lief so einseitig und zum großen Teil inkompetent, dass ich nur noch mit Mühe zuschauen konnte.
Anlass der Sendung waren zwei Todesfälle von Kindern aus den vergangenen Wochen. Die elfjährige Chantal starb in Hamburg in ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis des Drogenersatzstoffes Methadon. Die zweijährige Zoe erlag in Berlin wahrscheinlich den Verletzungen einer schweren Misshandlung. Haben dabei nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugend- und Sozialämter versagt? – so die Fragestellung der Sendung.

Antworten lieferten Johannes Kahrs (ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Hamburg), Heinz Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln), Katia Saalfrank (Diplom-Pädagogin und frühere „Super-Nanny“), Marita Meissner (Sozialarbeiterin im Jugendamt Gelsenkirchen) und Peter Hahne (ZDF-Moderator, Bild am Sonntag). Diese Zusammensetzung der Gäste wurde dem sehr komplexen Thema in keiner Weise gerecht. Wieso fehlte ein Vertreter der freien Träger, die während der gesamten Sendung undifferenziert zum Sündenbock gemacht wurden? Wo waren wirkliche Vertreter/innen des Kinderschutzes? Positiv fand ich lediglich Marita Meissner, die 27jährige Sozialarbeiterin des Jugendamtes Gelsenkirchen, die kompetent und überzeugend ihre Position vertreten und die große Bandbreite des Themas Kinderschutz dargestellt hat. Ansonsten waren die Gäste eher enttäuschend – mit dem Schlusslicht Peter Hahne, dessen Polemik völlig fehl am Platze war. Weiterlesen »

 

Video-Spots des DKSB Landesverbandes Saarland unterhalten und informieren

Erziehungs-Tipps per Mausklick


Kevin hat Stress. Nachhilfe, Gitarrenunterricht, Üben für die Mathearbeit. Seine Mutter drängelt und macht Druck. Dabei will Kevin eigentlich nur eins: mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft Fußball spielen. „Fördern Sie Ihr Kind, aber überfordern Sie es nicht“, heißt es am Ende dieses knapp zweiminütigen Videos. „Fördern mit Maß“ ist einer von bislang sieben Erziehungs-Spots, die der DKSB-Landesverband Saarland e.V. mit verschiedenen Kooperationspartnern für das Internet produziert hat. Mal originell, mal witzig, aber immer eindringlich geht es um alltägliche Erziehungsfragen – etwa um Unordnung im Kinderzimmer, Ärger wegen des Zähneputzens, Meckern über das Essen oder Elternstreit vor den Kindern. Weiterlesen »

 

Info-Poster noch vorrätig

Schüttel-Trauma ist für Babys lebensgefährlich


Schüttel-Flyer

Es ist kurz nach drei in der Nacht. Das Baby schreit – schon lange. Es will nicht gestillt werden, und auch den Schnuller spuckt es immer wieder aus. Es schreit einfach. Singen, Schaukeln, sanftes Wiegen – nichts hilft. Das Kind weint weiter – und in der Mutter steigt heiße Wut hoch. Wut auf dieses brüllende Wesen, das schon seit Stunden die Nacht zum Tage macht, und das jetzt endlich einfach nur still sein soll. Und dann schüttelt sie das Kind mit voller Wucht. Der kleine Kopf schlägt heftig vor und zurück. So erklärt sie später ihren Wutausbruch. Eine Kurzschluss-Handlung, die das Baby das Leben kosten kann.

Fachleute werten das Schütteln von Säuglingen und Kleinkindern als massive Misshandlung. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 100 bis 200 Kinder in Deutschland an den Folgen eines Schüttel-Traumas. Die Dunkelziffer ist aber nach der Einschätzung von Experten weitaus höher. Noch viel mehr Babys erleiden massive Spätfolgen wie körperliche oder geistige Behinderungen. Meistens sind es die Eltern oder andere nahe Bezugspersonen, die ihre Aggressionen und ihre Hilflosigkeit gegen ein lange weinendes Kind auf diese Weise zum Ausdruck bringen. Der Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. informiert in einer großen Kampagne über das Schütteln. Im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat er ein Poster mit dem Titel „Bitte nicht schütteln“ entwickelt. Es soll Eltern und alle, die mit Kindern zu tun haben, auf die Gefahren aufmerksam machen. Seinen Platz findet das Poster etwa in Geburtshäusern, beim Arzt oder im Jugendamt. Weiterlesen »

 

Besserer Schutz von Kindern in öffentlichen Einrichtungen

Kontrolle ist gut – Beteiligung ist besser!


Kinder haben Rechte – auch in stationären Einrichtungen, Foto: DKSB/Susanne Tessa Müller

Erziehung in öffentlichen Einrichtungen ist ins Gerede geraten – zurecht. Auch wenn die meisten Akte von Gewalt gegen Kinder (sowohl körperliche als auch sexuelle) im Privaten, in Familien, stattfinden, sind auch die sozialen Institutionen in die Kritik geraten. Auslöser waren vor allem die Berichte ehemaliger Heimkinder, die in den 1945 bis 1970er Jahren in Erziehungsheimen lebten. Welche Schlußfolgerungen können für besseren Schutz von Kindern in dieser Lebenslage gezogen werden?

Ende 2010 hat der „Runde Tisch Heimerziehung“ seinen Abschlußbericht vorgelegt und bestätigte damit das Leid und Unrecht, unter dem viele Kinder und Jugendliche leiden mussten. Weiterlesen »

 

Bußgeld, weil „Die Super Nanny“ (RTL) gegen Menschenwürde verstößt

DKSB begrüßt Entscheidung der Kommission für Jugendmedienschutz


Immer wieder schlägt die Mutter zu. Auf dem Sofa liegt, ja krümmt sich ihre fünfjährige Tochter. Es solle sich anziehen, schreit die Mutter verzweifelt. Fast schon apathisch ist das Mädchen,  kann kaum noch weinen. Mit leiser dramatischer Musik unterlegt, wird diese Szene einige Male wiederholt – bis endlich nach einer gefühlten Ewigkeit die Heldin erscheint und sich empört. Keine Szene aus einem Hollywood-Thriller, sondern aus einer Folge „Die Super Nanny“ vom 5. Mai letzten Jahres. Eine Sendung mit “unerwünschten Nebenwirkungen” für RTL. Weiterlesen »

 

Start der Poster-Aktion zum Baby-Schüttel-Trauma

Für Babys gilt: Bitte nicht schütteln!


Das müssen alle wissen, die mit Babys zu tun haben: Das Baby-Schüttel-Trauma (oder Shaken Baby Syndrome) können Babys und Kleinkinder erleiden, wenn sie von Erwachsenen heftig geschüttelt werden. Auch schwerste Behinderungen können die Folgen sein – selbst nach einem nur kurzen Schütteln. Das Gehirn schlägt gegen die Schädeldecke, Nervenbahnen werden überdehnt, Atemstillstand droht. Schütteln ist körperliche Gewalt.

Öffentlich bekannt werden jedes Jahr in Deutschland 100 -200 Fälle mit tödlichem Ausgang. Die Dunkelziffer ist nach Meinung von Experten um ein Vielfaches höher. Das Baby-Schüttel-Trauma ist die häufigste nicht natürliche Todesursache bei Babys und Kleinkindern. Bei etwas mehr als der Hälfte der Fälle sind die Täter männlich, hier vor allem die neuen Lebensgefährten der Mütter. Aber auch junge, unerfahrene und überforderte Mütter selbst oder weibliche Babysitter kommen in Betracht. Aufklärung ist also mehr als notwendig. Weiterlesen »

 

Entwurf für Kinderschutzgesetz

Nichts Neues – aber die Richtung stimmt


Der von der Bundesregierung im Sommer angekündigte „Herbst der Entscheidungen“ hat ein neues (Winter-) Ergebnis gezeitigt: Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, hat den Entwurf eines „Bundeskinderschutzgesetzes“ vorgelegt. Darin steht Einiges, was der Deutsche Kinderschutzbund schon lange fordert oder praktiziert. Doch noch ist nichts entschieden. Der Diskussionsprozess geht jetzt erst richtig los.

Mehr für Kinder – Für mehr Kinder! Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Noch ist es nur die Ankündigung eines Gesetzgebungsverfahrens, das erst am 1. Januar 2012 in seiner dann vorliegenden endgültigen Fassung geltendes Recht werden soll. Bis dahin werden alle Ebenen der Politik und die Verbandslobby noch verändern und mitgestalten. Insbesondere die Ländervertretungen im Bundesrat und die kommunalen  Spitzenverbände werden Einfluss nehmen. Zum einen, um den eigenen Gestaltungswillen geltend zu machen, zum anderen, um Kostenfolgen zu minimieren.

Deshalb muss sich insbesondere auch die Kinderlobby einbringen, um die Kernpunkte dieses Entwurfes zu würdigen, sie zum Teil noch zu verbessern und  dann für ihre Durchsetzung zu kämpfen. Weiterlesen »

 

Angstmache statt Aufklärung

Tatort Privatfernsehen


Ist das eine Win-Win- Situation, wenn ein gewinnorientiertes Privatunternehmen wie der Fernsehsender  “RTL 2 und die ebenfalls zum Bertelsmann-Konzern gehörende Zeitschrift “stern” vorgeben, Volksaufklärung zu betreiben? Diese Frage stellt sich am Beispiel des RTL 2 -Formats „Tatort Internet“, das im stern vom 7.10.2010 über mehrere Seiten ausgiebig gelobt wurde.

Ja -  es ist leider Fakt, dass pädosexuelle Triebtäter in anonymen Internet-Chatrooms ihr Unwesen treiben und auf der Suche nach sexuellen Kontakten mit Kindern sind. Richtig und wichtig ist es auch, Kinder vor solchen potentiellen Verbrechern zu warnen und diese durch Entdeckung und Entlarvung abzuschrecken.

Pädagogen und andere Kinderschützer sollten sich der Aufklärung annehmen und die Politik sollte den gesetzlichen Rahmen für eine wirkungsvolle Strafverfolgung von geplanten oder tatsächlich ausgeführten Straftaten in diesem Feld schaffen.

Wo aber Warnung und Abschreckung letztlich dem Zweck der Gewinnmaximierung im Werbemarkt dienen, da braucht es  die Über-Sandalisierung, die Reizsteigerung beim Publikum. „Sex sells“ gilt leider auch, wenn es um Sex mit Kindern geht!

So wird die vorgebliche Kampagne der Aufrechten leicht zur Kumpanei mit den Ertappten. Der Sender braucht sie, soll seine Rechnung aufgehen.

Die Folgen dieser Art “kommerzialisierter Aufklärung” sind zwiespältig: Sicher wachsen Aufmerksamkeit von Eltern und  Vorsicht bei den minderjährigen Chat-Usern. Aber es steigern sich auch Angst, Verdächtigungen, Unterstellungen und Bezichtigungen.

Es ist schade, dass ein ehemaliger Polizeipräsident und Innensenator sowie eine engagierte Ministergattin sich vor diesen Karren spannen lassen. Besser wäre es, sie würden Lehrer, Sozialpädagogen, Bildungs- und Beratungsstätten sowie Kinderschutz-Organisationen darin unterstützen, Eltern zu helfen, “Wege durch den Mediendschungel” zu finden.

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Darum: Wehret den Angstmachern!

 

UN-Kinderrechte gelten für alle Kinder

Jetzt junge Flüchtlinge schützen!


Foto: Dieter Schütz, pixelio.de

Kinder aus aller Welt kommen oft allein nach Deutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen leben zahlreiche Mädchen und Jungen, die aufgrund von Krieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern geflüchtet sind. Viele dieser jungen Flüchtlinge sind ohne Eltern und Familien bei uns. Trotz ihrer schwierigen Situation hatten sie bisher nicht die gleichen Rechten wie deutsche Kinder. Bislang galt: Asyl- und Ausländerrecht stehen vor Kinderrecht.

Deshalb erhielten Flüchtlingskinder nicht unbedingt die Hilfen, sie sie brauchten. Die Rücknahme des Vorbehalts durch die Bundesregierung bedeutet nun, dass das Wohl des Kindes vorrangig ist – für alle in Deutschland lebenden Kinder.

  • Wir fordern vom Land NRW, die Unterbringung und Betreuung von jungen unbegleiteten Flüchtlingen schnellstens zu verbessern und ihnen alle notwendigen Leistungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes zu gewähren. Weiterlesen »