Am Samstag lief die erste Sendung von „DSDS Kids“ im Fernsehen
Süß und hoffnungsvoll – Kinder als Quoten-Zugpferde
Thema: Kinderschutz, Medien | 07.05.2012, 15:11 | von Nicole Vergin
Seit einiger Zeit steht vor allem das Nachmittagsprogramm der großen privaten Fernsehsender ganz im Zeichen der „scripted reality“. Ein Format, das vorgibt, Realität abzubilden, aber von Laien nach Drehbuch (Script) gespielt wird. Dabei haben die Darsteller meist das Drehbuch nicht gesehen, sondern agieren nach Regieanweisung. Dem Zuschauer wird – zu Beginn und am Ende der Sendung – durch eine eher unauffällige Einblendung mitgeteilt: Handelnde Personen sind frei erfunden. So könnten wir eigentlich erleichtert aufatmen: keine Bloßstellung der Protagonisten mehr, keine Gefahr, dass vor allem Kinder unter den Folgen leiden. Doch so einfach ist es leider nicht.
Abgesehen von den erwähnten Einblendungen tun die Macher alles, um Realität vorzuspiegeln. So werden Autokennzeichen geschwärzt, gelegentlich Gesichter gepixelt, grobe Schimpfwörter durch Piepton unkenntlich gemacht. Und die kommentierenden Sprecher formulieren Sätze wie: „Da durften wir mit der Kamera dabei sein“ oder auch „ Familie S. wollte dieses Gespräch ohne unsere Kamera führen.“ Weiterlesen »
„Hilfeschreie, die niemand hört – wer versagt beim Kinderschutz?“ Diese Frage diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen in der ARD. Ein wichtiges Thema zur besten Sendezeit. Daraus wurde allerdings für mich schnell der ärgerlichste Fernsehabend der letzten Zeit. Die Diskussion lief so einseitig und zum großen Teil inkompetent, dass ich nur noch mit Mühe zuschauen konnte.
Anlass der Sendung waren zwei Todesfälle von Kindern aus den vergangenen Wochen. Die elfjährige Chantal starb in Hamburg in ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis des Drogenersatzstoffes Methadon. Die zweijährige Zoe erlag in Berlin wahrscheinlich den Verletzungen einer schweren Misshandlung. Haben dabei nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugend- und Sozialämter versagt? – so die Fragestellung der Sendung.
Antworten lieferten Johannes Kahrs (ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Hamburg), Heinz Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln), Katia Saalfrank (Diplom-Pädagogin und frühere „Super-Nanny“), Marita Meissner (Sozialarbeiterin im Jugendamt Gelsenkirchen) und Peter Hahne (ZDF-Moderator, Bild am Sonntag). Diese Zusammensetzung der Gäste wurde dem sehr komplexen Thema in keiner Weise gerecht. Wieso fehlte ein Vertreter der freien Träger, die während der gesamten Sendung undifferenziert zum Sündenbock gemacht wurden? Wo waren wirkliche Vertreter/innen des Kinderschutzes? Positiv fand ich lediglich Marita Meissner, die 27jährige Sozialarbeiterin des Jugendamtes Gelsenkirchen, die kompetent und überzeugend ihre Position vertreten und die große Bandbreite des Themas Kinderschutz dargestellt hat. Ansonsten waren die Gäste eher enttäuschend – mit dem Schlusslicht Peter Hahne, dessen Polemik völlig fehl am Platze war. Weiterlesen »
Heute ist „Safer Internet Day“ – so wie seit 2004 an jedem zweiten Dienstag im Februar. Initiiert von der Europäischen Union soll dieser Tag mit verschiedenen Aktionen oder Veranstaltungen auf das Thema „Internetsicherheit“ aufmerksam machen und die Nutzerinnen und Nutzer für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien sensibilisieren. In diesem Jahr heißt das Motto „connecting generations and educating each other“ - „Generationen verbinden und voneinander lernen lassen“. Eine Haltung, die wir vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. voll unterstützen.
Insbesondere im Hinblick auf das Internet können die Generationen voneinander profitieren, indem sie nicht nur darüber sprechen und sich austauschen, sondern auch gemeinsam auf „virtuelle Entdeckungstour“ gehen. So haben viele Erwachsene dicke Fragezeichen im Kopf, wenn sie „twitter“, „youtube“ oder „facebook-timeline“ hören; aber auf die Idee, die jüngere Generation nach Tipps und Hilfestellungen zu fragen, trauen sich die wenigsten.
Umgekehrt kann es genauso passieren, dass Kinder und Jugendliche medialen Inhalten ausgesetzt werden, bei denen sie sich unwohl fühlen und gerne auf den Schutz durch die Erwachsenen zurückgreifen würden – auch hier fühlen sich viele allein gelassen. Weiterlesen »
Kevin hat Stress. Nachhilfe, Gitarrenunterricht, Üben für die Mathearbeit. Seine Mutter drängelt und macht Druck. Dabei will Kevin eigentlich nur eins: mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft Fußball spielen. „Fördern Sie Ihr Kind, aber überfordern Sie es nicht“, heißt es am Ende dieses knapp zweiminütigen Videos. „Fördern mit Maß“ ist einer von bislang sieben Erziehungs-Spots, die der DKSB-Landesverband Saarland e.V. mit verschiedenen Kooperationspartnern für das Internet produziert hat. Mal originell, mal witzig, aber immer eindringlich geht es um alltägliche Erziehungsfragen – etwa um Unordnung im Kinderzimmer, Ärger wegen des Zähneputzens, Meckern über das Essen oder Elternstreit vor den Kindern. Weiterlesen »
Die Ära „Super Nanny“ ist nun vorbei – zum Glück. Seit 2004 wurde mittwochs fleißig zur besten Sendezeit eine Familie öffentlich zur Schau gestellt und die Kinder auf übelste Weise instrumentalisiert. Heulen, Kloppen und Brüllen bis zum Umfallen.
Schließlich lautete sieben Jahre lang das Motto: Je mehr Drama, desto besser ist die Quote! Die voyeuristisch veranlagten Zuschauer vor dem Fernseher wollen ja nicht einschlafen, sondern eine spannende Unterhaltungssendung genießen! Mit der ersten Ausstrahlung dieses Formats war schnell klar: Es geht nicht um pädagogische Betreuung und Hilfestellung für überforderte Familien, sondern um die entwürdigende Darstellung von Kindern und ihren Familien im besten Interesse einer hohen Einschaltquote.
Der Deutsche Kinderschutzbund hat sich seit der ersten Folge immer wieder kritisch zu diesem Format geäußert und das Absetzen dieser „Wir tun alles dafür, damit die Familie heulend vor der Kamera zusammenbricht“-Serie gefordert – zuletzt noch im Oktober dieses Jahres in Form eines Offenen Briefes. Die Tatsache, dass in einigen der Ausstrahlungen Gewalt gegen Kinder durch die Eltern ausgeübt wurde, ohne dass die Super Nanny oder das Kamerateam eingeschritten waren, hat nicht nur den Deutschen Kinderschutzbund, große Teile der Bevölkerung und anerkannte Organisationen der Jugendhilfe entsetzt, sondern auch die Kommission für Jugendmedienschutz. Diese hat im April dieses Jahres für eine Folge „Super Nanny“ aus dem vergangenen Jahr ein Bußgeld in Höhe von 30.000 Euro verhängt. Doch was sind schon 30.000 Euro für RTL? Peanuts! Weiterlesen »
Die einen können es vor Freude kaum erwarten, während die Anderen schon beim Gedanken daran genervt die Augen verdrehen: Bald heisst es wieder in NRW:
Die Schule fängt an!
Mit dem Beginn des Schulalltags fängt für die ABC Schützen „der Ernst des Lebens“ an.
Viele Familienangehörige möchten richtigerweise diesen ersten Tag zu etwas Besonderem machen, in dem sie die Schultüte mit Allerlei, aber vorallem mit Süßigkeiten füllen. Damit wollen sie ihren Kindern eine große Freude bereiten. Zugegeben: Süßigkeiten sollten nicht verdonnert werden, aber auch hier gilt: Nicht alles was glänzt, ist Gold! Weiterlesen »
Die Bedeutung des Begleiteten Umgangs ergibt sich aus der Reform des Kindschaftsrechtes und der UN-Kinderrechtskonvention. Diese Vorgaben haben Konsequenzen für die Anordnung des Begleiteten Umgangs durch das Familiengericht und für die Ausgestaltung als Leistungsangebot der Jugendhilfe.
In Wissenschaft und Praxis besteht großes Interesse an einem interdisziplinären Austausch über Standards, deren Fortschreibung, an Fortbildung und an einem Informationspool, der der Vielfalt des Themas in Qualität und Breite gerecht wird.
Die diesjährige Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Begleiteter Umgang e.V. greift die Themenschwerpunkte hochstrittige Trennungskonflikte, häusliche Gewalt und die damit verbundene Belastung für die Kinder auf. Die Veranstaltung findet am 19. Und 20. September 2011 in Düsseldorf statt. Mehr Informationen finden Sie hier. Weiterlesen »
Erziehung in öffentlichen Einrichtungen ist ins Gerede geraten – zurecht. Auch wenn die meisten Akte von Gewalt gegen Kinder (sowohl körperliche als auch sexuelle) im Privaten, in Familien, stattfinden, sind auch die sozialen Institutionen in die Kritik geraten. Auslöser waren vor allem die Berichte ehemaliger Heimkinder, die in den 1945 bis 1970er Jahren in Erziehungsheimen lebten. Welche Schlußfolgerungen können für besseren Schutz von Kindern in dieser Lebenslage gezogen werden?
Ende 2010 hat der „Runde Tisch Heimerziehung“ seinen Abschlußbericht vorgelegt und bestätigte damit das Leid und Unrecht, unter dem viele Kinder und Jugendliche leiden mussten. Weiterlesen »
Immer wieder schlägt die Mutter zu. Auf dem Sofa liegt, ja krümmt sich ihre fünfjährige Tochter. Es solle sich anziehen, schreit die Mutter verzweifelt. Fast schon apathisch ist das Mädchen, kann kaum noch weinen. Mit leiser dramatischer Musik unterlegt, wird diese Szene einige Male wiederholt – bis endlich nach einer gefühlten Ewigkeit die Heldin erscheint und sich empört. Keine Szene aus einem Hollywood-Thriller, sondern aus einer Folge „Die Super Nanny“ vom 5. Mai letzten Jahres. Eine Sendung mit “unerwünschten Nebenwirkungen” für RTL. Weiterlesen »