4. Jahrestagung der Kinderschutzfachkräfte in Gelsenkirchen
Verantwortungsgemeinschaft mit „glitschiger Seife“?
Thema: Fortbildung - BiS, Kinderschutz, Kinderschutzbund in NRW | 02.12.2010, 22:35 | von Jürgen Kura
„Es könnte so einfach sein, ist es aber nicht“ ist eine Formel, die man immer dann etwas zerknirscht ausspricht, wenn Wunsch und Wirklichkeit aufeinander prallen. Wenn es um Kinderschutz geht, schmerzt sie um so mehr.
Als sich jetzt im Wissenschaftspark Gelsenkirchen fast 150 Kinderschutzfachkräfte (so genannte insoweit erfahrene Fachkräfte im Sinne des § 8a SGB VIII) zu ihrer 4. Jahrestagung mit dem Titel „Profile stärken – Austausch schaffen“ versammelten, wurde klar, dass es den Königsweg hin zu einer optimalen Qualität im Kinderschutz (noch?) nicht gibt. Veranstalter des Treffens waren das Institut für soziale Arbeit Münster e.V. (ISA), der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. und die Bildungsakademie BiS.
Seit 2005 schreibt §8a SGB VIII vor, dass Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe zur besseren Bewertung des Gefährdungsrisikos für ein Kind eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ hinzuziehen sollen. Seitdem haben DKSB, BiS und ISA 2.500 Fachkräfte zur „Kinderschutzfachkraft“ fortgebildet. Sie sollen zwischen den Institutionen vermitteln und helfen, die richtigen Entscheidungen zum Wohl des Kindes zu treffen.
Im Saal und in den Workshops der Jahrestagung pendeln die Stimmungen zwischen Verunsicherung, Zustimmung, Aufbruch und Frustration. Denn im Alltag des Kinderschutzes gibt es Reibungsverluste. Der Gesetzgeber hat Aufgabe und Rolle der Kinderschutzfachkräfte nicht näher bestimmt. Oft wissen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Einrichtungen und Diensten der freien Jugendhilfe nicht einmal, dass es in ihrer Stadt überhaupt Kinderschutzfachkräfte gibt oder nicht, wie sie sie erreichen können. Viele andere wichtige Fragen sind nicht geklärt: Wer zahlt die Rechnung eines Einsatzes? Wer organisiert auf welche Art den Einsatz? Wer sorgt für Qualität in welcher Form?
„Die Kinderschutzfachkraft gilt als glitschige Seife in der Waschkaue der Jugendhilfe“, sagt die stellvertretende ISA-Geschäftsführerin, Dr. Sigrid Bathke. Vor allem stört sie, dass „Grabenkämpfe, Abgrenzungstrategien und Auseinandersetzungen über Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten“ zwischen den Institutionen kostbare Zeit und Energie rauben.
Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des DKSB NRW fordert: „Die Kommunen müssen ihre Verantwortung in Sachen Kinderschutz ernst nehmen. Wir brauchen Kinderschutz-Konzepte, die klare und verbindliche Handlungsketten festlegen und in denen Kinderschutzfachkräfte ihren festen Platz haben.“ Die Verantwortungsgemeinschaften der Bereiche Gesundheit, Schule, Justiz, Jugendhilfe, Sport und Kultur müssten unter Einbeziehung der Kinderschutzfachkräfte ein neues Selbstverständnis entwickeln.
Erste konkrete Lösungsvorschläge wurden auf der Jahrestagung festgehalten. Dazu zählt auch die Einrichtung regionaler Qualitätszirkel für Kinderschutzfachkräfte. An den Gastredner Dr. Reinhard Wiesner, ehemaliger Referatsleiter des Bundesfamilienministeriums und heute Fachberater desselbigen, erging ein Appell: „Das neue Bundeskinderschutzgesetz bitte präziser formulieren!“ „Ich gebe das nach Berlin weiter“, versprach er. Fazit am Ende des Tages: Der “Nebel in der Waschkaue” lichtet sich etwas…
Weitere Informationen zum Thema Kinderschutzfachkraft erhalten Sie gerne unter: info@bis-akademie.de. (Katrin Disselhorst)


