Am Samstag lief die erste Sendung von „DSDS Kids“ im Fernsehen
Süß und hoffnungsvoll – Kinder als Quoten-Zugpferde
Thema: Kinderschutz, Medien | 07.05.2012, 15:11 | von Nicole Vergin
„Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) rutscht immer tiefer ins Quotenabseits, und die Macher scheinen nun alles in Kauf nehmen zu wollen, um Herrn Bohlen und die RTL-Family wieder zum Lachen zu bringen. Der Sender plant jetzt eine Kinderversion der Castingshow für vier-bis 14-Jährige.Seit einiger Zeit steht vor allem das Nachmittagsprogramm der großen privaten Fernsehsender ganz im Zeichen der „scripted reality“. Ein Format, das vorgibt, Realität abzubilden, aber von Laien nach Drehbuch (Script) gespielt wird. Dabei haben die Darsteller meist das Drehbuch nicht gesehen, sondern agieren nach Regieanweisung. Dem Zuschauer wird – zu Beginn und am Ende der Sendung – durch eine eher unauffällige Einblendung mitgeteilt: Handelnde Personen sind frei erfunden. So könnten wir eigentlich erleichtert aufatmen: keine Bloßstellung der Protagonisten mehr, keine Gefahr, dass vor allem Kinder unter den Folgen leiden. Doch so einfach ist es leider nicht.
Abgesehen von den erwähnten Einblendungen tun die Macher alles, um Realität vorzuspiegeln. So werden Autokennzeichen geschwärzt, gelegentlich Gesichter gepixelt, grobe Schimpfwörter durch Piepton unkenntlich gemacht. Und die kommentierenden Sprecher formulieren Sätze wie: „Da durften wir mit der Kamera dabei sein“ oder auch „ Familie S. wollte dieses Gespräch ohne unsere Kamera führen.“ Weiterlesen »
„Hilfeschreie, die niemand hört – wer versagt beim Kinderschutz?“ Diese Frage diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen in der ARD. Ein wichtiges Thema zur besten Sendezeit. Daraus wurde allerdings für mich schnell der ärgerlichste Fernsehabend der letzten Zeit. Die Diskussion lief so einseitig und zum großen Teil inkompetent, dass ich nur noch mit Mühe zuschauen konnte.
Anlass der Sendung waren zwei Todesfälle von Kindern aus den vergangenen Wochen. Die elfjährige Chantal starb in Hamburg in ihrer Pflegefamilie an einer Überdosis des Drogenersatzstoffes Methadon. Die zweijährige Zoe erlag in Berlin wahrscheinlich den Verletzungen einer schweren Misshandlung. Haben dabei nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugend- und Sozialämter versagt? – so die Fragestellung der Sendung.
Antworten lieferten Johannes Kahrs (ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses in Hamburg), Heinz Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln), Katia Saalfrank (Diplom-Pädagogin und frühere „Super-Nanny“), Marita Meissner (Sozialarbeiterin im Jugendamt Gelsenkirchen) und Peter Hahne (ZDF-Moderator, Bild am Sonntag). Diese Zusammensetzung der Gäste wurde dem sehr komplexen Thema in keiner Weise gerecht. Wieso fehlte ein Vertreter der freien Träger, die während der gesamten Sendung undifferenziert zum Sündenbock gemacht wurden? Wo waren wirkliche Vertreter/innen des Kinderschutzes? Positiv fand ich lediglich Marita Meissner, die 27jährige Sozialarbeiterin des Jugendamtes Gelsenkirchen, die kompetent und überzeugend ihre Position vertreten und die große Bandbreite des Themas Kinderschutz dargestellt hat. Ansonsten waren die Gäste eher enttäuschend – mit dem Schlusslicht Peter Hahne, dessen Polemik völlig fehl am Platze war. Weiterlesen »
Die Ära „Super Nanny“ ist nun vorbei – zum Glück. Seit 2004 wurde mittwochs fleißig zur besten Sendezeit eine Familie öffentlich zur Schau gestellt und die Kinder auf übelste Weise instrumentalisiert. Heulen, Kloppen und Brüllen bis zum Umfallen.
Schließlich lautete sieben Jahre lang das Motto: Je mehr Drama, desto besser ist die Quote! Die voyeuristisch veranlagten Zuschauer vor dem Fernseher wollen ja nicht einschlafen, sondern eine spannende Unterhaltungssendung genießen! Mit der ersten Ausstrahlung dieses Formats war schnell klar: Es geht nicht um pädagogische Betreuung und Hilfestellung für überforderte Familien, sondern um die entwürdigende Darstellung von Kindern und ihren Familien im besten Interesse einer hohen Einschaltquote.
Der Deutsche Kinderschutzbund hat sich seit der ersten Folge immer wieder kritisch zu diesem Format geäußert und das Absetzen dieser „Wir tun alles dafür, damit die Familie heulend vor der Kamera zusammenbricht“-Serie gefordert – zuletzt noch im Oktober dieses Jahres in Form eines Offenen Briefes. Die Tatsache, dass in einigen der Ausstrahlungen Gewalt gegen Kinder durch die Eltern ausgeübt wurde, ohne dass die Super Nanny oder das Kamerateam eingeschritten waren, hat nicht nur den Deutschen Kinderschutzbund, große Teile der Bevölkerung und anerkannte Organisationen der Jugendhilfe entsetzt, sondern auch die Kommission für Jugendmedienschutz. Diese hat im April dieses Jahres für eine Folge „Super Nanny“ aus dem vergangenen Jahr ein Bußgeld in Höhe von 30.000 Euro verhängt. Doch was sind schon 30.000 Euro für RTL? Peanuts! Weiterlesen »
Immer wieder schlägt die Mutter zu. Auf dem Sofa liegt, ja krümmt sich ihre fünfjährige Tochter. Es solle sich anziehen, schreit die Mutter verzweifelt. Fast schon apathisch ist das Mädchen, kann kaum noch weinen. Mit leiser dramatischer Musik unterlegt, wird diese Szene einige Male wiederholt – bis endlich nach einer gefühlten Ewigkeit die Heldin erscheint und sich empört. Keine Szene aus einem Hollywood-Thriller, sondern aus einer Folge „Die Super Nanny“ vom 5. Mai letzten Jahres. Eine Sendung mit “unerwünschten Nebenwirkungen” für RTL. Weiterlesen »
„Farmville“, „Cityville“ und „Happy Aquarium“ sind zurzeit die größten virtuellen Magneten. Sie ziehen weltweit Millionen von Spielern in den Bann. Diese so genannten Social Games werden in den sozialen Netzwerken wie facebook oder schülerVZ und studiVZ angeboten.
In aller Regel sind die Spiele kostenlos. Gebühren entstehen allerdings, wenn sich die Spieler zusätzliche Wünsche erfüllen bzw. sich Vorteile verschaffen wollen, zum Beispiel ein „schönes Auto fahren“ oder „besondere Blumen anpflanzen“ möchten.
Spiele wie diese kosten nicht nur Nerven, sondern auch viel Zeit. Die Spieler sitzen nicht selten stundenlang vor dem Rechner, damit sie auch ja alle Errungenschaften in der virtuellen Welt bestens pflegen können.
Eltern und Erziehende haben dagegen kaum Einblicke in die Spielekultur. Nur zu mahnen ist wenig hilfreich und glaubwürdig. Dennoch sollten Spieler und Eltern die Zeit, die im Internet verbracht wird, im Blick behalten. Allerdings befürchten die Eltern viel zu oft und schnell „Internetsucht“ oder „Computersucht“ Weiterlesen »
Susanne Hentschel und ich haben die erste NRW-Schulung zur Elternkursleitung „Wege durch den Mediendschungel – Kinder und Jugendliche sicher in der Medienwelt begleiten“ in Kooperation mit der Bildungsakademie BiS erfolgreich durchgeführt. Wir freuen uns, dass es dabei mit viel Spiel, Spaß und Spannung zuging!
14 Teilnehmer/innen erwarben in zwei Blöcken à zwei Tagen die Zusatzqualifikation zur Durchführung von medienpädagogischen Elternkursen. Nun besitzen sie umfassende Informationen und kennen verschiedene Materialien für die Medienerziehung mit Fernsehen, Handy, sowie Internet, PC – und Onlinespiele.
Die Fähigkeit zur Medienkompetenz beinhaltet auch die „medienbiographische Selbstreflexion“, das heißt: Wie haben Erwachsene im Laufe ihres Lebens selbst die Medien erlebt? Schließlich sollen auch Eltern über ihr eigenes Verhältnis zu den Medien nachdenken und die alltäglichen Herausforderungen im Umgang mit medialen Inhalten selbstsicher anpacken. Großen Wert legten wir darauf, individuelle Fähigkeiten und Vorkenntnisse zu vertiefen und viel Raum für Diskussionen zu bieten.
“RTL – Wir helfen Kindern” – so strahlt es uns jetzt in der Vorweihnachtszeit von großen Plakatwänden entgegen. Geworben wird da für einen Spendenmarathon für benachteiligte Kinder in In- und Ausland. Das ist eine gute Sache. Aber wenn man gleichzeitig von der neuen TV-Serien-Planung hört, entstehen doch eine ganze Menge Fragezeichen. Im Augenblick sucht eine Fernseh-Produktionsfirma Familien für ein neues – wieder mal in England abgegucktes – Reality-Format. In England nennt es sich „Wie die andere Hälfte lebt“ und wird auf Channel 4 ausgestrahlt.
Worum geht es darin? “Gut situierte” Familien sollen über einen Zeitraum von 3 Monaten “armen” Familien helfen. Schöne Idee – wenn nicht die Kamera immer dabei wäre. Weiterlesen »