Ist das eine Win-Win- Situation, wenn ein gewinnorientiertes Privatunternehmen
wie der Fernsehsender “RTL 2” und die ebenfalls zum Bertelsmann-Konzern gehörende Zeitschrift “stern” vorgeben, Volksaufklärung zu betreiben? Diese Frage stellt sich am Beispiel des RTL 2 -Formats „Tatort Internet“, das im stern vom 7.10.2010 über mehrere Seiten ausgiebig gelobt wurde.
Ja - es ist leider Fakt, dass pädosexuelle Triebtäter in anonymen Internet-Chatrooms ihr Unwesen treiben und auf der Suche nach sexuellen Kontakten mit Kindern sind. Richtig und wichtig ist es auch, Kinder vor solchen potentiellen Verbrechern zu warnen und diese durch Entdeckung und Entlarvung abzuschrecken.
Pädagogen und andere Kinderschützer sollten sich der Aufklärung annehmen und die Politik sollte den gesetzlichen Rahmen für eine wirkungsvolle Strafverfolgung von geplanten oder tatsächlich ausgeführten Straftaten in diesem Feld schaffen.
Wo aber Warnung und Abschreckung letztlich dem Zweck der Gewinnmaximierung im Werbemarkt dienen, da braucht es die Über-Sandalisierung, die Reizsteigerung beim Publikum. „Sex sells“ gilt leider auch, wenn es um Sex mit Kindern geht!
So wird die vorgebliche Kampagne der Aufrechten leicht zur Kumpanei mit den Ertappten. Der Sender braucht sie, soll seine Rechnung aufgehen.
Die Folgen dieser Art “kommerzialisierter Aufklärung” sind zwiespältig: Sicher wachsen Aufmerksamkeit von Eltern und Vorsicht bei den minderjährigen Chat-Usern. Aber es steigern sich auch Angst, Verdächtigungen, Unterstellungen und Bezichtigungen.
Es ist schade, dass ein ehemaliger Polizeipräsident und Innensenator sowie eine engagierte Ministergattin sich vor diesen Karren spannen lassen. Besser wäre es, sie würden Lehrer, Sozialpädagogen, Bildungs- und Beratungsstätten sowie Kinderschutz-Organisationen darin unterstützen, Eltern zu helfen, “Wege durch den Mediendschungel” zu finden.
Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Darum: Wehret den Angstmachern!